Gesundheitsämter

ÖGD: Personalentwicklung fördern

ÖGD: Personalentwicklung fördern

DISKUSSIONSPAPIER:

Die anhängende Positionierung wurde in der Sitzung des Bundesfachgruppenvorstandes AKV am 2/3.9.2020 diskutiert und an den  Bundesfachbereichsvorstand Gemeinden geleitet.

Gibt uns deine Meinung dazu unter kommunalverwaltung@verdi.de ...

Der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) war in den letzten Jahren vor der Corona Krise Verlierer bei den Haushaltskonsolidierungen. Stellen wurden gestrichen, interne Stellenausschreibungen waren schwierig und auch die Suche nach Fachkräften trifft den ÖGD. Viele junge Ärzt*innen wollen mitunter wegen der geringen Bezahlung im öffentlichen Dienst, aber auch wegen der fehlenden Wertschätzung des ÖGD nicht mehr im öffentlichen Bereich tätig sein. Es gibt heute Gesundheitsdienste in Landkreisen aber auch in kreisfreien Städten, bei denen Stellen für Ärzt*innen nicht besetzt werden können.

Mit der Corona Krise sind die Gesundheitsdienste ins Zentrum des Geschehens gerückt! Die Umorganisation in Managementzentren der Corona Krise verliefen weitestgehend widerspruchfrei und reibungslos.

Nun ist es an der Zeit die gute Arbeit der öffentlichen Gesundheitsdienste und die erfahrene Wertschätzung für das Personal auszuwerten und anzupassen. Der öffentliche Gesundheitsdienst ist ein wichtiger Standortfaktor geworden. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir das Vorhaben der Bundesregierung, den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken. Doch es bedarf neben dem Ausbau der Digitalisierung insbesondere auch die Verbesserung der Personalentwicklung.

Eine Analyse der Arbeit ist notwendig – nicht nur wegen Corona!

Jetzt sind konkret Konzepte gefordert, wie die Zukunft der Gesundheitsdienste vor dem Hintergrund der Corona Erfahrungen aussehen.  Hierbei ist zu berücksichtigen: Bereits vor dem Covid 19 Virus wurden gesellschaftliche Defizite nicht ausreichend für eine Sozialplanung erfasst (z.B. Sucht, Obdachlosigkeit, Armut). Mit der Corona Pandemie traten diese Defizite besonders stark hervor.  So ist die Organisation für die Integration von verschiedensten neuen Mitarbeitenden (Verwaltungsmitarbeitende aus anderen Fachgebieten, Corona Scouts etc.) in den ÖGD häufig sehr unzureichend. Der ÖGD verordnet sich oftmals selbst stärker in der Sachbearbeitung als im Management von gesellschaftlichen Problemfeldern. Wir sehen auch nicht, dass dazu die derzeit von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten 4 Mrd. Euro zum Ausbau des Gesundheitsdienstes helfen, wenn es nicht ein Umdenken in der kommunalen Gesundheitspolitik gibt.    

Forderungen von ver.di:

  • Eine konsequente Analyse der Arbeit, Organisation, Aufgaben und Stellenanzahl des Gesundheitsdienstes. Leitbild muss eine Organisation im ÖGD sein, die auch die soziale Realität umfasst. 
  • Strategische Richtschnur muss die Gesundheitsberichterstattung sein. Sie ist ohnehin gesetzlich gefordert und nach den Rahmenvorgaben des RKI (Robert-Koch-Instituts) zu gestalten.
  • Wichtig ist uns, die Berichterstattung und darin aufgezeigte Defizite sind akut anzugehen. Notwendig sind gestaltende kommunale Gesundheitskonferenzen (wie bei den Projektstädten „Gesunde Stadt“, z. B. Biberach etc.) und transparente Maßnahmensind zu entwickeln. Umsetzungs- und Kommunikationswege sind aufzuzeigen.
  • Die erkannten Veränderungspotenziale müssen im Zusammenwirken mit ärztlichen Niederlassungen, sozialen Diensten, Krankenhäusern oder auch Präventions- und Rehabilitationseinrichtungen umgesetzt werden.
  • Für die Umsetzung wird ein aufgabengerechtes Budget im örtlichen Gesundheitsdienst zur Verfügung gestellt.
  • Die Facharztausbildung für den öffentlichen Gesundheitsdienst ist auszubauen und berufliche Qualifizierungen, die nach den jeweiligen Landesregelungen erworben wurden, sind gegenseitig anzuerkennen.

Belastung abbauen, Mitbestimmung wahrnehmen

Attraktivität für die Arbeit im ÖGD entsteht durch Arbeitszufriedenheit.  Viele Kollegen*innen in den Gesundheitsdiensten waren und sind mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden. Die Resignation ist groß. Nur wenige trauen sich, in der Krisensituation zu widersprechen.

Eine entscheidende Ursache ist der Personalmangel der schon in der Vergangenheit bestand. Während der Hochphase der Pandemiemaßnahmen stießen viele Wochenenddienste auf Unverständnis. Umstritten war die Einführung von Zweischichtsystemen. Der Personalmangel trat besonders gravierend dort hervor, wo Kollegen*innen aus anderen Bereichen zum Gesundheitsdienst delegiert wurden und diese noch zusätzlich eingearbeitet werden mussten.

In vielen Dienststellen spricht die fehlende Verständigung mit dem zuständigen Personalrat bei der Einführung dieser Maßnahmen für ein wenig vertrauensvolle, konstruktive Zusammenarbeit. Ver.di verlangt, dass zukünftig bei Änderungen, Umsetzungen und Einstellungen konsequent die gesetzlichen Mitbestimmungsverfahren eingehalten werden.

Unsere Forderungen:

  • Mehr Personal: Das ermittelte Aufgabenspektrum erfordert zusätzliche Personalstellen. Dazu gehört die Beteiligung des Personalrats an Stellenplanungen, Stellenbewertungen oder ähnlichem für eine Personalkonzeption.
  • Für die Gewinnung von fachlichem Personal sind Rekrutierungsverfahren aufzubauen. Ergänzend ist ein Qualifizierungsprogramm für fachfremde Beschäftigte anzubieten.
  • Gefährdungsbeurteilungen sind zu erstellen. Die Erarbeitung soll gemeinsam mit den Beschäftigten eine Bestandsaufnahme von Gefahrenlagen und persönlichen Belastungen (z.B. über Befragungen) ausgearbeitet werden. 

Infektionsschutz geht über medizinische Beratung hinaus

Hilfreich zum Vollzug der Infektionsketten sind die Containment-Scouts für Telefoninterviews. Doch auch sie brachten einen erhöhten Einarbeitungsaufwand mit sich.  Sie zu integrieren und ein wirkungsvolles Kommunikationssystem mit der Bevölkerung aufzubauen erfordert Organisationsexperten*innen.

Unsere Forderungen:

  • Für das zukünftige Krisenmanagement sind Organisationsexperten*innen erforderlich. Sie müssen systemische Fragen bearbeiten können
  • Notwendig ist der Aufbau einer Pandemieprävention. Erforderlich ist Planung für ein Notfallmanagement im Krisenfall.
     

Personalentwicklung ist zu fördern - Qualifizierung muss ausgebaut werden – neue Formen der Rekrutierung sind zu planen

Wir erwarten, dass es in den nächsten Jahren weiterhin schwierig sein wird, qualifiziertes Personal für den öffentlichen Gesundheitsdienst zu gewinnen.

Deshalb muss:

  • ... konsequent die Umsetzung von Qualifizierungsgesprächen und das Aufzeigen von Qualifizierungsprogrammen angegangen werden.
  • Es muss im Hygienebereich Angebote zum Erwerb einer Fachschulausbildung Gesundheitsaufseher*in (Hygieneinspektor*in) geben. Die Bundesländer sind gefordert, einheitliche und anerkannte Fortbildungsstrukturen zu schaffen.
  • Zahnärztlicher Dienst: Wie bei niedergelassenen Zahnarztpraxen könnten zahnmedizinische Prophylaxeassistenten*in die zahnärztliche Prävention begleiten. Medizinischem Personal sollten zusätzliche betriebsinterne Weiterbildungen angeboten werden, um auf die Personalgewinnung entlastend zu wirken und die Motivation von Mitarbeitenden fördern.

Deshalb muss:

  • Konsequent die Umsetzung von Qualifizierungsgesprächen und das Aufzeigen von Qualifizierungsprogrammen angegangen werden.
  • Es im Hygienebereich Angebote zum Erwerb einer Fachschulausbildung Gesundheitsaufseher*in (Hygieneinspektor*in) geben. Die Bundesländer sind gefordert, einheitliche und anerkannte Fortbildungsstrukturen zu schaffen.
  • Zahnärztlicher Dienst: Wie bei niedergelassenen Zahnarztpraxen könnten zahnmedizinische Prophylaxeassistenten*in die zahnärztliche Prävention begleiten.
  • Medizinischem Personal sollten zusätzliche betriebsinterne Weiterbildungen angeboten werden, um auf die Personalgewinnung entlastend zu wirken und die Motivation von Mitarbeitenden fördern.