Beschäftigte in Bädern

Aus- und Fortbildung in Bädern auf dem Prüfstand

Aus- und Fortbildung in Bädern auf dem Prüfstand

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ver.di Entwurf 26.2.2021

Fragestellungen zu einer Neuordnung der Aus- und Fortbildung für Beschäftigte in Bäderbetrieben

Die Bädertechnik, das Arbeitssystem in Deutschland, Kundenansprüche an Angebot und Servicequalität und auch die Lebenswirklichkeit heutiger Beschäftigter hat sich seit den 90er Jahren verändert. Technische Anlagen und auch die Kommunikation veränderten sich insbesondere vor dem Hintergrund einer stetig voranschreitenden Digitalisierung und einer deutlich vielfältigeren Gesellschaft.  Vor dem Hintergrund ist auch die Aus- und Fortbildung für Beschäftige im Bäderwesen dahingehend zu prüfen, ob die Ausbildungsverordnung für Fachangestellte für Bäderbetriebe aus dem Jahr 1997 und die Prüfungsverordnung für Meisterinnen und Meister für Bäderbetriebe aus dem Jahr 1998 zu verändern und damit auch zu modernisieren sind. Dieses soll mit einem Prüfauftrag an das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) in Form einer Vorstudie für ein mögliches Neuordnungsverfahren erfolgen.   

Für diesen Prüfauftrag erging unter der Initiative der Gewerkschaft ver.di an den Bundesverband der Schwimmmeister (innen) BDS und auch an die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) die Bitte, Anregungen für Fragen zu übermitteln, die in der Abstimmung mit den Sozialpartnern an das BIBB gerichtet werden sollen.

 (Vgl. Verordnung über die Berufsausbildung zum/zur Fachangestellten für Bäderbetriebe vom 26. März 1997, BGBl. IS. 740 und

Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Meister für Bäderbetriebe/Geprüfte Meisterin für Bäderbetriebe vom 7. Juli 1998 (BGBl. I S. 1810), die zuletzt durch Artikel 15 der Verordnung vom 9. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2153)

 

         I.                        Ausbildungsverordnung Fachangestellte/r für Bäderbetriebe

Welche Veränderungen sind notwendig um mit dieser Berufsausbildung in Zukunft den Arbeitsplatz zu sichern?

Grundgedanken hierzu sind:

a.       Der notwendige Einsatz in allen Bäderbetriebsformen (Begriff nachschauen) muss sich über die Inhalte definieren und ergeben.

b.       Inhalte und Leistungen dürfen nicht durch andere Berufe erbracht werden.

c.        Das Alleinstellungsmerkmal muss vorhanden sein.

Fragestellungen zu fachlichen Einzelaspekten der Ausbildung von Fachangestellten für Bäderbetriebe:

Ausbildungsbetrieb

1.       Sind zeitgemäße Lerntechniken in der bisherigen Ausbildungsverordnung ausreichend vermittelt? (Trainingszeiten, Motivation, Prüfungsvorbereitung)

2.       Ist der Kenntnisstand zum Umgang mit betrieblichen Interessensvertretungen bzw. anderen Unterstützenden ausreichend?

3.       Sind wichtige instrumentelle Grundlagen, wie etwa der Umgang mit einem Betriebshandbuch oder der Umgang mit Betriebsanweisungen, ausreichend vermittelt?

Bädertechnik

4.       Inwieweit sind die zeitlichen Richtwerte für die Technik und die Digitalisierung neu oder genauer zu fassen oder auch zu erweitern?

5.       Sind neue Formen der Bürokommunikation mit den bisherigen zeitlichen Richtwerten jetzt vermittelbar? (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, Büromanagement und Kommunikation)

Personal: Arbeits- und Tarifrecht  

6.      In wieweit sind Veränderung im Arbeitsschutz wie etwa Gefährdungsbeurteilungen in der Tätigkeit anzuwenden?

7.      Werden betriebliche Modelle des Beitrags von Arbeitnehmer*innen zur Personalentwicklung ausreichend vermittelt?

Kundenorientierung

8.       Inwieweit sind neue Formen der direkten Kundenkommunikation zu berücksichtigen?

9.       Ist die Multikulturalität und der Umgang mit verschiedene Bevölkerungsgruppen innerhalb der Richtwerte ausreichend vermittelt?  

10.    Sind neue Inhalte der Gewaltprävention und veränderte Sicherheitsanforderungen in Bädern zu vermitteln?

11.    Erfordert der Wettbewerb mit anderen Formen der Freizeitgestaltung ein verändertes Fachwissen in Bezug auf Freizeit- und Wellnessangebot?

Schwimm- und Wassergebundenheit

12.    Was ist die Rolle als Fachkraft innerhalb der Betriebshierachie, wobei deutlich werden sollte, dass FABs keine Führungskräfte im Sinne von Personalverantwortung (disziplinarisch, arbeitsschutzrechtlich) sein können.

13.    Welche Kernkompetenzen müssen jederzeit vorhanden sein?

14.    Wird die Bewältigung und Umgang mit Extremsituationen (Unfall, Havarie, Gewaltsituation, …) innerhalb der Zeitrichtwerte ausreichend vermittelt?

Sind die folgenden Eckwerte für das Antragsgespräch sinnvoll und gibt es Beispiele in anderen Ausbildungsberufen?

•          Ausbildungsdauer:  3 Jahre

•          Ausbildungsberufsbezeichnung sollte auch weiterhin sein: Fachangestellte/r für Bäderbetriebe 

•          Zeitliche Gliederung: Die bisher bestehende Zeitrahmenmethode sollte fortbestehen

•          Prüfungsstruktur: Die Prüfungsstruktur sollte sich deutlich verändern. Dies in der Form einer geteilten Abschlussprüfung für den theoretischen und praktischen Teil je 30 % nach 1,5 Jahren, als Teilbewertung und einer Abschlussprüfung mit 70 % anstelle einer Zwischenprüfung.  

       II.                        Modulare Weiterbildung

15.    Inwieweit können bei der Prüfungsordnung zur Meister*in für Bäderbetriebe modulare Weiterbildungen anerkannt werden. Gibt es Beispiele? Ist das sinnvoll?

16.    Welche Module könnten dies sein und wie könnten diese mit Elementen der Meister*innenfortbildung korrespondieren, so dass sie ergänzend anerkannt werden?

     III.                        Prüfungsverordnung Meister*in für Bäderbetriebe

Erheblicher Anpassungsbedarf besteht bei der der Fortbildung für Meister*innen. Die Rolle als Führungskraft mit Aufgaben des Personalmanagements ist prägnanter herauszuarbeiten. Hierbei sind zwei Aufgabenkreise zu vermitteln:

-          Bädermanagement bei operativen Führungsaufgaben (Schichtleitung, Betriebsleitung)

-          Bädermanagement bei strategisch angelegten Führungsaufgaben (Führung von mehreren Bädern)

 

Zu überprüfen ist:

Organisation des Bäderwesens

17.    Was grenzt die Kenntnisse von Meister*innen von den Kenntnissen von Fachgestellten ab? 

18.    Sind neuen Entwicklungen in der Bädertechnik ausreichend in der bisherigen Prüfungsordnung berücksichtigt?

19.    Konzipieren, Erstellen und Umgang mit wichtigen fachlichen Unterstützungsinstrumenten: Betriebshandbuch, Betriebs- oder Dienstanweisung.

20.    Sind die Kenntnisse über moderne Trainingsformen wie auch die Gestaltung von Trainingsplänen fortzuentwickeln?

21.    Sind die Kenntnisse über die gesundheitliche Wirkung von Saunaangeboten aber auch die Risiken ausreichend vermittelt?

22.    Wird die Anwendung und Entwicklung von Instrumente für einen sicheren und störungsfreien Badebetrieb nach heutigen Standard ausreichend vermittelt?

Betriebswirtschaftliches Handeln

23.    Ist das Betriebswirtschaftliche Handeln mit den bisherigen Prüfungsinhalten ausreichend? Kostenkalkulation, Budget- und Wirtschaftspläne, Jahresabschlüsse, Vergaberecht, Marketing, Unternehmensrecht sowie Vertrags- und Haftungsrecht, Organisationsverschulden, Organisation von Kassen- und Rechnungslegung.

24.    Welche Rolle spielt Marketingkompetenz in der Fortbildung von Meister*innen?

25.    Sind die bisherigen Fortbildungsinhalte zu Wellness- und anderen Freizeitangeboten wie auch zur Wettkampforganisation und Wettkampfordnung ausreichend?

Personalführung und Personalmanagement

26.    Wie müssen die neuen Anforderungen an den Arbeitsschutz in Bäderbetrieben in die Fortbildungen einbezogen werden (Arbeitsschutz- und Haftungsrecht, Methoden Gefährdungsbeurteilungen, Schutzmaßnahmen, Unterweisungen, Organisation des Arbeitsschutzausschusses, Übertragung Unternehmerpflichten)

27.    Personalführung und Personalmanagement, Tarifrecht, Personalauswahlverfahren, Arbeitsrecht 

28.    Sind neue Techniken der Dienstplangestaltung ausreichend vermittelt?

29.    Sind die Fertigkeiten im Umgang mit Erste Hilfe Maßnahmen (etwa praktische Übungen in einem Rettungswagen RTW) sowie Krisenfolgen (bei Badeunfällen) ausreichend vermittelt?

Befähigung als Ausbilder*in

30.    Was für neue moderne didaktische Befähigungen sind für die Ausbildung in Bäderbetrieben erforderlich?

31.  Sind Fertigkeiten in der Konzeptionierung von Ausbildungsplänen ausreichend berücksichtigt.  

 

 

ANHANG: Auszug aus der bisher bestehenden Prüfungsordnung für Meister*innen für Bäderbetriebe

 

§ 1 Ziel der Prüfung und Bezeichnung des Abschlusses

(1) Zum Nachweis von Kenntnissen, Fertigkeiten und Erfahrungen, die durch die berufliche Fortbildung zum Meister für Bäderbetriebe/zur Meisterin für Bäderbetriebe erworben wurden, kann die zuständige Stelle Prüfungen nach den §§ 2 bis 10 durchführen.

(2) Durch die Prüfung ist festzustellen, ob der Prüfungsteilnehmer die notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen hat, um insbesondere folgende Aufgaben eines Meisters als Führungskraft in der Leitung von Bäderbetrieben wahrzunehmen und Fachangestellte für Bäderbetriebe auszubilden:

Fertigkeiten und Erfahrungen


1. Mitwirken bei der Planung, Überwachung und Nutzung von Möglichkeiten der wirtschaftlichen und umweltschonenden Energie- und Materialverwendung. Aufrechterhaltung eines störungsfreien Betriebes. Erkennen von Störungen sowie Veranlassen und Beaufsichtigen von Maßnahmen zu ihrer Behebung sowie Instandhaltung von Anlagen, Einrichtungen und Betriebsmitteln. Sicherstellen der Qualität von Badewässern und der Hygiene nach den Rechtsvorschriften und betrieblichen Grundsätzen der Hygiene. Mitwirken beim Vorbereiten, Einleiten und Optimieren neuer Verfahren,


2. Übertragen der Aufgaben unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und sozialer Aspekte auf die Mitarbeiter entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit, Qualifikation und Eignung; Einarbeiten und Anleiten der Mitarbeiter; arbeitsplatznahe Qualifizierung durch systematisches Lernen am Arbeitsplatz; partnerschaftliches Verhalten zu den Mitarbeitern; Weiterleiten der Anregungen und Anliegen der Mitarbeiter mit  einer eigenen Beurteilung; Zusammenarbeit mit den übergeordneten Stellen und der Arbeitnehmervertretung; Ausbildung und Qualifizierung von Mitarbeitern,

3.  Mitwirken bei der Aufstellung von Ausgaben für Betriebs- und Bauaufwendungen und Vorprüfen von Unterlagen; Entwickeln und Umsetzen von Betriebszielen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen; Mitarbeit bei der Optimierung von Betriebsabläufen und der Festsetzung von betrieblichen Rahmenbedingungen; Einweisen und Überwachen von Fremdfirmen,

4. Sicherstellen eines störungsfreien Badebetriebes, kundenorientierter Betriebsabläufe, sowie eines situationsgerechten Umgangs mit Badegästen, Planung und Durchführung von Schwimmunterricht, Sport-, Spiel- und Spaßangeboten, Organisation und Durchführung der Aufsichts- und Verkehrssicherungspflichten, der Rettungs- und Erste-Hilfe-Maßnahmen. Analyse des Besucherverhaltens und Entwicklung von Maßnahmen zur programmlichen Ausgestaltung, Mitwirken bei der Planung und Umsetzung von Marketingkonzepten, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit,

5. Durchführen der erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes, der Unfallverhütung, des Gesundheitsschutzes und des Umweltschutzes in Abstimmung mit den im Betrieb mit der Arbeitssicherheit befassten Stellen und Personen.

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Wie entstehen eigentlich Ausbildungsberufe?

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